PISA Schock entlarvt Schulpolitik: Migration und Inklusion bringen Deutschlands Schulen ans Limit

PISA Schock offenbart Deutschlands Bildungskrise. Migration, Inklusion, Lehrermangel und ideologische Grabenkämpfe überfordern die Schulen und ausgerechnet die AfD profitiert vom wachsenden Vertrauensverlust.

PISA Schock in Deutschland. Die neuen Ergebnisse sind ein Alarmsignal für ein Bildungssystem, das seit Jahren immer mehr gesellschaftliche Aufgaben übernehmen soll und gleichzeitig bei seiner Kernaufgabe an Boden verliert. Migration, Sprachförderung, Inklusion, soziale Unterschiede und Lehrermangel treffen in denselben Klassenzimmern aufeinander.

Wer darüber aus ideologischen Gründen nicht offen sprechen will, löst kein einziges Problem. Er riskiert vielmehr, die AfD politisch zu stärken. Die neue PISA Studie ist kein Intelligenztest. Sie beweist also nicht, dass Deutschlands Kinder „immer dümmer“ werden. Was sie allerdings zeigt, ist kaum weniger beunruhigend.

Deutschlands 15 Jährige verlieren bei zentralen schulischen Kompetenzen weiter an Boden.

In Mathematik erreichten sie 2025 durchschnittlich 464 Punkte. Das waren elf Punkte weniger als 2022. Beim Lesen ging es um 15 Punkte auf 465 Punkte nach unten. In den Naturwissenschaften wurden 486 Punkte erreicht, sieben weniger als 2022. Der langfristige Rückgang in den Naturwissenschaften beträgt nach Berechnungen der OECD sogar 24 Punkte pro Jahrzehnt.

Der PISA Schock ist damit Realität. Und Deutschland sollte endlich darüber reden, warum.

Dramatischer PISA Schock trifft Deutschland

Die Ergebnisse zeigen nicht einfach eine kurzfristige Schwankung. Deutschland erlebt einen langfristigen Abwärtstrend. Besonders bemerkenswert ist dabei die enorme Spreizung der Leistungen. Zwischen den besten und schwächsten zehn Prozent der Schüler liegen in den Naturwissenschaften 289 PISA Punkte. Auch beim Lesen beträgt diese Differenz 289 Punkte.

Noch alarmierender ist die soziale Spaltung. Zwischen Schülern aus dem oberen und unteren Viertel der sozialen Herkunft liegen in den Naturwissenschaften 125 Punkte. Im OECD Durchschnitt sind es nur 84 Punkte. Das ist ein vernichtender Befund für ein Bildungssystem, das seit Jahrzehnten verspricht, mehr Chancengerechtigkeit zu schaffen.

Der PISA Schock zeigt stattdessen, dass Deutschland die Unterschiede zwischen seinen Schülern offensichtlich nicht ausreichend ausgleichen kann.

Brisanter PISA Schock trifft auf Migration

Damit führt kein Weg an der Migrationsfrage vorbei. Bei PISA 2022 hatten 26 Prozent der getesteten Jugendlichen in Deutschland einen Migrationshintergrund nach OECD Definition. 2012 waren es lediglich 13 Prozent. Innerhalb eines Jahrzehnts hatte sich der Anteil damit verdoppelt. Gleichzeitig bestanden erhebliche Leistungsunterschiede.

In Mathematik lagen Schüler mit Migrationshintergrund 2022 durchschnittlich 59 PISA Punkte hinter Schülern ohne Migrationshintergrund. Beim Lesen betrug der Unterschied 67 Punkte. Diese Zahlen einfach zu ignorieren, wäre politische Realitätsverweigerung. Doch genauso falsch wäre die Behauptung, Migration erkläre den deutschen PISA Schock allein.

Die OECD weist in ihrer aktuellen Analyse ausdrücklich darauf hin, dass die Veränderung der Zusammensetzung der Schülerschaft nur wenige Punkte des Leistungsrückgangs erklärt. Demografische Veränderungen seien nicht der Haupttreiber der großen internationalen Abwärtstrends. Genau deshalb muss die Diskussion differenzierter werden.

Migration ist nicht das Problem, mangelnde Integration sehr wohl

Entscheidend ist nicht die Herkunft eines Kindes. Entscheidend sind die Voraussetzungen, mit denen es am Unterricht teilnehmen kann. Bei PISA 2022 gehörten 42 Prozent der Schüler mit Migrationshintergrund in Deutschland zur sozial benachteiligten Gruppe. Bei allen Schülern waren es 25 Prozent.

63 Prozent der Schüler mit Migrationshintergrund gaben außerdem an, zu Hause überwiegend eine andere Sprache als die Testsprache zu sprechen. Damit wird aus der Migrationsfrage eine bildungspolitische Frage. Wer nicht ausreichend Deutsch versteht, kann auch einer Textaufgabe in Mathematik, einer Aufgabenstellung in Biologie oder einem komplexen Text in Geschichte nur schwer folgen.

Das ist keine Schuldzuweisung. Es ist eine pädagogische Selbstverständlichkeit. Der PISA Schock müsste deshalb zu einer ehrlichen Diskussion darüber führen, wie viel Zuwanderung ein Bildungssystem erfolgreich integrieren kann, wenn gleichzeitig Lehrer und Förderkräfte fehlen.

Explosiver PISA Schock trifft auf Inklusion

Parallel zur Migration wurde das deutsche Schulsystem mit einer weiteren großen gesellschaftspolitischen Aufgabe konfrontiert. Der Inklusion. Die Idee ist richtig und wichtig. Kinder mit Behinderung sollen dazugehören und die bestmöglichen Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe erhalten. Doch aus einem moralisch guten Ziel entsteht nicht automatisch guter Unterricht.

Inklusion benötigt Personal. Sie benötigt Sonderpädagogen, Schulbegleiter, Assistenzkräfte, geeignete Räumlichkeiten und ausreichend Zeit für individuelle Förderung. Genau hier beginnt das Problem. Eine Lehrkraft soll heute gleichzeitig den Lehrplan vermitteln, leistungsstarke Schüler fordern, schwächere Schüler fördern, Sprachdefizite ausgleichen, soziale Konflikte bewältigen und unterschiedliche sonderpädagogische Bedürfnisse berücksichtigen.

Das kann funktionieren. Aber nicht zum Nulltarif.

Vernichtender Personalmangel verschärft den PISA Schock

Die neuen PISA Daten liefern hierzu einen besonders brisanten Befund. 52,1 Prozent der Schüler in Deutschland besuchen Schulen, deren Schulleitungen angeben, dass die Unterrichtsmöglichkeiten durch fehlendes Lehrpersonal beeinträchtigt werden. Deutschland gehört damit bei diesem Problem zu den auffälligen Ländern der Untersuchung.

Und genau hier zeigt sich das Grundproblem deutscher Bildungspolitik. Die Politik erweitert den Auftrag der Schulen permanent, erweitert aber ihre Möglichkeiten nicht im gleichen Umfang. Integration braucht Personal. Inklusion braucht Personal. Individuelle Förderung braucht Personal. Begabtenförderung braucht Personal. Sprachförderung braucht Personal.

Und guter Fachunterricht braucht selbstverständlich ebenfalls Lehrer. Wer all diese Aufgaben gleichzeitig in eine Klasse verlagert und anschließend nicht genügend Fachkräfte bereitstellt, darf sich über den PISA Schock nicht wundern.

Linke Schulpolitik muss sich endlich an Ergebnissen messen lassen

Damit führt die Debatte zwangsläufig zur politischen Verantwortung. SPD, Grüne, und natürlich die Linke, sowie große Teile der Bildungswissenschaft haben über Jahrzehnte ein Schulideal vertreten, das auf möglichst langes gemeinsames Lernen, Inklusion, Integration und den Abbau unterschiedlicher Bildungswege setzt. Die Ziele dahinter mögen gut gemeint sein.

Doch Politik darf nicht nur danach bewertet werden, was sie erreichen möchte. Sie muss daran gemessen werden, was sie erreicht. Und genau dort wird der PISA Schock zum Problem für eine linksorientierte Bildungspolitik.

Denn wenn Bildung gerechter werden sollte, Deutschland aber gleichzeitig eine der größten sozialen Leistungsscheren im internationalen Vergleich aufweist, darf die Frage gestellt werden, ob die gewählten Instrumente funktionieren. Gute Absichten ersetzen keine guten Ergebnisse.

Gefährliche Ideologie verdrängt die pädagogische Realität

Der zentrale Irrtum lautet, dass gemeinsamer Unterricht automatisch gerechter Unterricht sei. Das stimmt nicht. Stellen wir uns eine Klasse vor. Ein Schüler könnte mathematisch bereits Aufgaben lösen, die weit über dem Unterrichtsniveau liegen. Ein zweiter hat erhebliche Schwierigkeiten mit den Grundrechenarten.

Ein dritter ist erst vor kurzem nach Deutschland gekommen und versteht große Teile der Unterrichtssprache noch nicht. Ein vierter benötigt sonderpädagogische Unterstützung. Alle vier Kinder haben dasselbe Recht auf bestmögliche Bildung. Aber sie haben vollkommen unterschiedliche Bedürfnisse. Mit ausreichend Fachpersonal lässt sich diese Heterogenität bewältigen.

Mit einer einzigen Lehrkraft wird daraus schnell eine pädagogische Herkulesaufgabe. Der PISA Schock sollte deshalb endlich die Frage erzwingen, ob maximale Heterogenität tatsächlich immer das beste Organisationsprinzip von Schule ist.

Inklusion darf kein Dogma sein

Auch die Inklusion muss sich dieser Diskussion stellen. Für viele Kinder ist eine Regelschule der richtige Ort. Für andere kann eine spezialisierte Förderschule bessere Bedingungen bieten. Entscheidend darf nicht sein, welches Modell politisch fortschrittlicher klingt. Entscheidend muss sein, wo das einzelne Kind am besten gefördert wird.

Eine Politik, die Förderschulen allein aus ideologischen Gründen zurückdrängen möchte, verwechselt Gleichberechtigung mit Gleichförmigkeit. Der PISA Schock sollte deshalb nicht dazu führen, Inklusion abzuschaffen. Er sollte dazu führen, schlechte Inklusion zu beenden.

Auch leistungsstarke Schüler bezahlen die Rechnung

Bei der gesamten Debatte wird eine Gruppe regelmäßig vergessen. Die leistungsstarken Kinder. Auch sie besitzen ein Recht auf Förderung. Wenn ein Lehrer einen erheblichen Teil seiner Unterrichtszeit für Sprachförderung, individuelle Lernprobleme, sonderpädagogische Anforderungen und soziale Konflikte benötigt, fehlt diese Zeit an anderer Stelle.

Das bedeutet nicht, schwächere Kinder sich selbst zu überlassen. Es bedeutet genau das Gegenteil. Deutschland braucht mehr spezialisierte Förderung, damit nicht eine einzige Lehrkraft sämtliche gesellschaftlichen Probleme innerhalb von 45 Minuten Unterricht lösen muss. Der PISA Schock ist deshalb auch eine Warnung davor, Leistung aus falsch verstandener Bildungsgerechtigkeit zu vernachlässigen.

Politischer PISA Schock wird zum Geschenk für die AfD

An diesem Punkt verlässt die Diskussion das Klassenzimmer. Denn Bildungspolitik ist längst zu einer Vertrauensfrage geworden. Eltern erleben die Situation ihrer Kinder unmittelbar. Sie erleben Unterrichtsausfall. Sie erleben fehlende Lehrer. Sie erleben Sprachprobleme. Sie erleben Schwierigkeiten bei der Inklusion. Und sie erleben, wenn leistungsstarke oder leistungsschwache Kinder nicht ausreichend gefördert werden.

Wenn die Politik anschließend vermittelt, Migration dürfe mit Schulproblemen grundsätzlich nicht in Verbindung gebracht werden oder Kritik an der praktischen Umsetzung der Inklusion sei rückwärtsgewandt, entsteht ein gefährlicher Eindruck. Die Politik möchte bestimmte Probleme nicht sehen. Davon profitiert die AfD.

Alarmierende Denkverbote stärken die AfD

Die AfD muss nicht einmal das überzeugendste Bildungskonzept besitzen, wenn ihre politischen Konkurrenten ihr die Themen freiwillig überlassen. Wer Probleme bei der Integration verschweigt, überlässt das Thema der AfD. Wer jede Kritik an der Inklusion moralisiert, überlässt das Thema der AfD.

Wer Eltern erklärt, ihre Alltagserfahrungen seien lediglich subjektive Wahrnehmungen, überlässt ihre Unzufriedenheit möglicherweise ebenfalls der AfD. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass der PISA Schock automatisch AfD Wähler produziert. Einen solchen kausalen Zusammenhang belegt die Studie nicht. Aber eine ideologisch verhärtete Schulpolitik kann politischen Vertrauensverlust erzeugen.

Und genau von diesem Vertrauensverlust profitieren Parteien, die behaupten, nur sie würden unbequeme Wahrheiten aussprechen.

Wer die AfD schwächen will, muss über Migration sprechen

Es ist deshalb ein strategischer Fehler der demokratischen Mitte, bestimmte Probleme nicht anzusprechen, weil die AfD ebenfalls darüber spricht. Das Gegenteil ist notwendig. Gerade CDU und CSU müssen sich fragen, warum sie der AfD Themen überlassen, die weit in die politische Mitte hineinreichen.

Wie viele Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse kann eine Klasse erfolgreich integrieren? Welche Sprachkenntnisse müssen vor der Einschulung vorhanden sein? Wann ist eine Förderschule pädagogisch sinnvoller als Inklusion? Wie werden leistungsstarke Kinder gefördert? Wie viel Heterogenität kann eine einzelne Lehrkraft bewältigen? Das sind keine extremistischen Fragen. Das sind bildungspolitische Fragen. Wer sie tabuisiert, macht die AfD nicht kleiner.

PISA Schock verlangt einen radikalen Kurswechsel

Deutschland braucht deshalb eine neue Prioritätensetzung. Deutschkenntnisse müssen vor der Einschulung verbindlich überprüft werden. Kinder mit erheblichen Defiziten brauchen intensive Sprachförderung. Schulen mit besonders schwieriger sozialer Struktur benötigen erheblich mehr Lehrer und Fachpersonal.

Inklusion darf nur dort zum Regelfall werden, wo die notwendige sonderpädagogische Unterstützung vorhanden ist. Förderschulen müssen erhalten bleiben, wenn sie Kindern bessere Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Leistungsstarke Schüler müssen wieder selbstverständlich gefordert werden.

Und die Aufnahmefähigkeit des Bildungssystems muss bei migrationspolitischen Entscheidungen zumindest mitgedacht werden. Der PISA Schock verlangt keine Politik gegen Migranten und keine Politik gegen Kinder mit Behinderung. Er verlangt eine Politik für funktionierende Schulen.

Vernichtender PISA Schock entlarvt das eigentliche Versagen

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis lautet deshalb gerade nicht, dass Migration Deutschlands PISA Ergebnisse ruiniert habe. Das geben die Daten nicht her. Die OECD stellt sogar ausdrücklich fest, dass die veränderte Zusammensetzung der Schülerschaft nur einen kleinen Teil des Leistungsrückgangs erklären kann.

Das entlastet die Politik aber keineswegs. Im Gegenteil. Denn dann liegt das eigentliche Versagen noch tiefer.

Deutschland bekommt Migration und Sprachförderung nicht ausreichend organisiert. Es bekommt Inklusion vielerorts nicht ausreichend personell ausgestattet. Es bekommt die soziale Bildungsschere nicht geschlossen. Es leidet unter Lehrermangel. Und gleichzeitig verschlechtern sich auch Schüler ohne Migrationshintergrund.

Das ist kein einzelnes Migrationsproblem. Das ist ein Systemproblem. Genau deshalb ist der PISA Schock so vernichtend. Eine linksorientierte, teilweise ideologisch verhärtete Schulpolitik muss sich endlich der Frage stellen, ob ihre Konzepte in der Realität funktionieren.

Und die demokratische Mitte muss begreifen, dass man die AfD nicht dadurch bekämpft, dass man unangenehme Probleme aus der politischen Debatte heraushält. Man bekämpft sie, indem man diese Probleme selbst löst. Denn wenn Eltern über Jahre erleben, dass die Wirklichkeit in den Schulen nicht zu den politischen Erzählungen passt, verlieren sie irgendwann nicht nur das Vertrauen in die Schulpolitik.

Sie verlieren Vertrauen in diejenigen, die diese Politik vertreten. Und genau davon profitiert am Ende immer die AfD.

„Wer die Wirklichkeit aus Angst vor der AfD verschweigt, bekämpft sie nicht. Er überlässt ihr die Wirklichkeit.“

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