Klartext zur LGBTQ Kreuzfahrt Türkei setzt Grenzen und der Westen staunt

Die Türkei verweigert einer LGBTQ Kreuzfahrt das Anlegen. Der Fall zeigt deutlich, wie hart westlicher Aktivismus auf andere Kulturen trifft.

Türkei setzt ein klares Zeichen

Die Türkei hat einem von einem US Unternehmen gecharterten LGBTQ Kreuzfahrtschiff untersagt, in Kuşadası und Istanbul anzulegen. Die Behörden begründeten die Entscheidung mit den moralischen Werten des Landes. Betroffen ist die „Scarlet Lady“, die für eine Reise des Veranstalters Atlantis Events unterwegs ist. Der geplante Türkei Aufenthalt wurde gestrichen, die Route soll stattdessen unter anderem nach Ägypten und Kreta führen.

Damit ist ein Konflikt sichtbar geworden, der weit über eine Kreuzfahrt hinausgeht. Es geht nicht nur um ein Schiff. Es geht um die Frage, ob westliche Vorstellungen von Vielfalt, Sichtbarkeit und sexueller Identität überall auf der Welt denselben Platz beanspruchen können. Die Antwort der Türkei lautet offensichtlich nein.

Wer Akzeptanz fordert, muss auch Grenzen akzeptieren

Die LGBTQ Bewegung fordert seit Jahren Akzeptanz für ihre Lebensweise. In westlichen Demokratien hat sie damit viel erreicht. Niemand darf wegen seiner sexuellen Orientierung oder Identität verfolgt, bedroht oder entwürdigt werden. Dieser Grundsatz ist wichtig.

Doch Akzeptanz ist keine Einbahnstraße. Wer von anderen Gesellschaften Respekt für die eigene Lebensform verlangt, muss auch akzeptieren, dass andere Länder andere kulturelle, religiöse und gesellschaftliche Maßstäbe haben. Das bedeutet nicht, diese Maßstäbe teilen zu müssen. Es bedeutet aber, anzuerkennen, dass souveräne Staaten eigene Entscheidungen treffen.

Die Türkei ist kein westlich liberaler Musterstaat. Sie ist ein Land mit stark religiös geprägten Milieus, konservativen Familienbildern und einem politischen System, das öffentliche LGBTQ Veranstaltungen seit Jahren zunehmend einschränkt. Pride Veranstaltungen werden in Istanbul seit 2015 regelmäßig verboten oder aufgelöst.

Wer also mit einer öffentlich als LGBTQ Kreuzfahrt beworbenen Reise ausgerechnet dort anlegen will, darf sich über Widerstand nicht wundern.

Provokation oder Naivität

Natürlich kann man die türkische Entscheidung kritisieren. Man kann sie als illiberal, rückständig oder diskriminierend bewerten. Aber man muss auch die Gegenfrage stellen dürfen. Warum will eine solche Kreuzfahrt unbedingt in ein Land, dessen Haltung seit Jahren bekannt ist?

War es touristische Naivität? War es ein kalkulierter Test? Oder war es der Versuch, Sichtbarkeit auch dort zu erzwingen, wo diese Sichtbarkeit politisch und gesellschaftlich nicht gewünscht ist? Genau hier beginnt das Problem. Aus berechtigtem Einsatz für Rechte wird schnell moralischer Druck. Aus Toleranz wird Anspruch. Aus Sichtbarkeit wird Demonstration. Und aus einer Urlaubsreise wird ein Kulturkampf.

Die Türkei hat diesen Kulturkampf nicht gewonnen, weil sie moralisch überlegen wäre. Sie hat ihn gewonnen, weil sie auf ihrem Staatsgebiet entscheidet. Genau das ist Souveränität.

Andere Länder, andere Werte

In Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden wäre eine LGBTQ Kreuzfahrt kaum ein politisches Ereignis. In der Türkei sieht das anders aus. Genau das muss man zur Kenntnis nehmen. Andere Länder haben andere Sitten. Dieser Satz klingt altmodisch, ist aber in der internationalen Realität aktueller denn je.

Wer Vielfalt ernst nimmt, muss auch kulturelle Unterschiede ernst nehmen. Vielfalt bedeutet nicht, dass die ganze Welt westliche Gesellschaftspolitik übernimmt. Gerade viele Aktivisten sprechen gern von Respekt gegenüber Kulturen, Religionen und Minderheiten. Doch dieser Respekt endet auffällig oft dort, wo eine Kultur nicht den eigenen progressiven Erwartungen entspricht. Dann wird nicht mehr verstanden, sondern verurteilt.

Das ist ein Widerspruch.

Eine unbequeme Lehre für die LGBTQ Bewegung

Die LGBTQ Bewegung steht vor einer unbequemen Frage. Will sie Akzeptanz oder Zustimmung? Akzeptanz bedeutet, dass Menschen friedlich leben können, ohne verfolgt zu werden. Zustimmung bedeutet, dass andere Gesellschaften die eigene Weltanschauung übernehmen sollen. Das ist ein Unterschied.

Niemand muss Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung verachten. Niemand muss ihnen die Würde absprechen. Aber ebenso wenig kann erwartet werden, dass jedes Land jede Form öffentlicher Inszenierung gutheißt oder unterstützt. Die Türkei hat entschieden, diese Kreuzfahrt nicht willkommen zu heißen. Das mag hart sein. Es mag unbequem sein. Aber es ist auch eine Botschaft an den Westen. Nicht jede Gesellschaft sieht Familie, Öffentlichkeit, Sexualität und Moral gleich.

Akzeptanz ist keine Einbahnstraße

Der Fall der LGBTQ Kreuzfahrt zeigt, wie tief der Graben zwischen westlichem Aktivismus und konservativen Gesellschaften geworden ist. Wer weltweit Akzeptanz fordert, sollte nicht vergessen, dass auch andere Länder Akzeptanz für ihre eigenen Wertvorstellungen erwarten.

Man kann die türkische Entscheidung kritisieren. Man kann sie ablehnen. Aber man sollte nicht so tun, als käme sie überraschend.

Die Türkei hat der LGBTQ Kreuzfahrt die rote Karte gezeigt. Die eigentliche Frage lautet nun nicht nur, warum die Türkei so entschieden hat. Die eigentliche Frage lautet auch, warum man unbedingt dorthin wollte.


„Toleranz zeigt sich nicht dort, wo alle gleich denken, sondern dort, wo unterschiedliche Überzeugungen ausgehalten werden müssen.“

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Türkei verweigert LGBTQ-Kreuzfahrtschiff das anlegen — Focus

Türkei lässt LGBTQ-Kreuzfahrtschiff nicht anlegen — NTV

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