Die Berliner CDU Katastrophe! Erst Tennis, dann soll Friedrich Merz schuld sein

Erst verspielt Kai Wegner während des Berliner Stromausfalls Vertrauen, dann muss die CDU ihren Spitzenkandidaten austauschen und nach der Wahlniederlage soll plötzlich Friedrich Merz einen wesentlichen Teil der Verantwortung tragen. Doch die Chronologie erzählt eine wesentlich unbequemere Geschichte.

Berlins CDU sucht die Verantwortung überall, nur nicht bei sich selbst

Es gehört schon eine bemerkenswerte politische Chuzpe dazu. Die Berliner CDU stürzt bei der Abgeordnetenhauswahl von 28,2 Prozent im Jahr 2023 auf nur noch 18,8 Prozent ab. Die bisherige Regierungskoalition aus CDU und SPD verliert ihre Mehrheit. Die Linke wird mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Und ausgerechnet Kai Wegner erklärt anschließend, der Gegenwind aus dem Bund habe seine Partei hart getroffen.

Natürlich kann Bundespolitik eine Landtagswahl beeinflussen. Auch Friedrich Merz räumte nach der Wahl ein, dass Rückenwind aus Berlin gefehlt habe. Wer aber daraus die zentrale Erklärung für das CDU Katastrophe in der Hauptstadt konstruiert, macht es sich bemerkenswert einfach.

Denn die Berliner CDU hatte ein Problem, lange bevor am 20. September die Wahllokale öffneten. Dieses Problem hieß Kai Wegner. Und es hatte mit einem Tennisschläger zu tun.

Friedrich Merz hat Wegner nicht auf den Tennisplatz geschickt

Man muss die Frage einmal so absurd stellen, wie die Schuldverschiebung inzwischen wirkt. Hat Bundeskanzler Friedrich Merz den Regierenden Bürgermeister von Berlin am 3. Januar 2026 angerufen und gesagt: Lieber Kai, in Berlin sind Zehntausende Haushalte ohne Strom, jetzt wäre der ideale Zeitpunkt für eine Runde Tennis? Natürlich nicht.

Hat Friedrich Merz Wegner daran gehindert, sich vom ersten Moment an sichtbar an die Spitze des Krisenmanagements zu stellen? Nein.

Hat Merz entschieden, welche Angaben Wegner anschließend über seinen Tagesablauf öffentlich macht? Ebenfalls nein.

Was dagegen dokumentiert ist: Nach dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz waren rund 100.000 Menschen zeitweise von dem Stromausfall betroffen. Wegner spielte am ersten Tag der Krise zwischen 13 und 14 Uhr Tennis. Die Senatskanzlei bestätigte den Vorgang. Das allein hätte noch nicht zwangsläufig eine politische Katastrophe werden müssen. Die eigentliche Katastrophe begann mit dem Umgang damit.

Wegner hätte aus der Krise politisches Kapital schlagen können

Genau hier liegt das kaum begreifliche Versäumnis. Ein großflächiger Stromausfall ist für die betroffenen Menschen eine Belastung. Für einen Regierungschef ist er gleichzeitig die Gelegenheit zu zeigen, wofür politische Führung da ist. Wegner hätte vor Ort sein können. Er hätte mit Einsatzkräften sprechen können.

Er hätte sich vor die Kameras stellen und erklären können, was bekannt ist, was noch nicht bekannt ist und was der Senat unternimmt. Er hätte die Sorgen der Menschen aufnehmen können. Er hätte Handlungsfähigkeit demonstrieren können.

Und gerade eine CDU hätte aus einer solchen Situation politische Themen entwickeln können, die zu ihrem eigenen Markenkern gehören sollen: funktionierende Infrastruktur, innere Sicherheit, Schutz kritischer Netze, Katastrophenvorsorge und ein handlungsfähiger Staat.

Kai Wegner hätte aus einer Krise politische Führung machen können. Stattdessen entstand ein vollkommen anderes Bild. Der Regierende Bürgermeister auf dem Tennisplatz, während in Teilen seiner Stadt das Licht ausgegangen war.

Noch schlimmer als Tennis war die Kommunikation danach

Politiker dürfen Sport treiben. Auch Regierungschefs dürfen Tennis spielen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Kai Wegner eine Stunde Tennis spielen durfte. Die Frage lautet, warum anschließend ein Eindruck seiner Tätigkeit entstand, der mit den später bekannt gewordenen Abläufen nicht übereinstimmte.

Wegner hatte zunächst erklärt, er habe sich zu Hause praktisch eingeschlossen und sei den ganzen Tag am Telefon gewesen. Später wurde bekannt, dass er Tennis gespielt hatte. Weitere Recherchen ergaben zudem Ungereimtheiten darüber, wann und in welchem Umfang er tatsächlich telefoniert und Krisenmanagement betrieben hatte. Wegner räumte schließlich selbst „kommunikative Fehler“ ein und entschuldigte sich.

Der Tagesspiegel berichtete darüber hinaus, dass entgegen früherer öffentlicher Aussagen vor dem Tennismatch offenbar keine telefonischen Kontakte Wegners zur Bundesregierung stattgefunden hatten. Damit wurde aus einer Tennisstunde eine Glaubwürdigkeitskrise. Und die Berliner verstanden sehr wohl, worum es ging.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache

Bereits im Januar zeigte der Berlin-Trend von Infratest dimap, wie schwer Wegners Ansehen beschädigt worden war. Nur 25 Prozent der Befragten bewerteten sein Krisenmanagement als gut oder sehr gut. 66 Prozent hielten es dagegen für weniger gut oder schlecht. 61 Prozent waren der Auffassung, dass Wegners Glaubwürdigkeit durch das zunächst verschwiegene Tennisspiel beschädigt worden sei.

Das war keine Friedrich Merz Umfrage. Das war eine Bewertung des Berliner Krisenmanagements. Und die Entwicklung ging weiter. Als Wegner im Juli schließlich seine Spitzenkandidatur zurückzog, lag die Berliner CDU in einer Infratest dimap Umfrage nur noch bei 17 Prozent. Wegner erklärte selbst, dass die Debatte um sein Verhalten inzwischen andere politische Themen überschatte. Noch deutlicher kann ein hausgemachtes Problem kaum sichtbar werden.

Erst musste Wegner gehen, dann sollte Evers retten, was noch zu retten war

Die CDU reagierte schließlich und ersetzte ihren Spitzenkandidaten. Stefan Evers musste übernehmen. Nicht ein Jahr vor der Wahl. Nicht neun Monate vorher. Sondern im Juli, gerade einmal gut zwei Monate vor dem Wahltermin. Evers erbte damit keine normale Ausgangslage, sondern eine Partei, deren eigener Regierender Bürgermeister nach einer monatelangen Affäre um Krisenmanagement, Tennis und widersprüchliche Kommunikation seine Spitzenkandidatur aufgegeben hatte.

Bei der Wahl erreichte die CDU schließlich 18,8 Prozent. Der frühere CDU Generalsekretär Mario Czaja erinnerte nach der Wahl daran, dass die Partei beim Rückzug Wegners in Umfragen teilweise nur noch bei 13 oder 14 Prozent gelegen habe. Seine Analyse war entsprechend deutlich. Für ihn waren sowohl Wegner als auch Merz Teil des Problems.

Das ist etwas völlig anderes als die Erzählung, Berlin sei vor allem Opfer der Bundespolitik geworden.

Natürlich trägt auch die Bundes CDU Verantwortung

Eine seriöse Analyse darf Friedrich Merz nicht einfach freisprechen. Die Bundesregierung hatte offensichtlich keinen Rückenwind erzeugt, von dem die Berliner CDU profitieren konnte. Merz räumte das selbst ein. Bundespolitische Themen spielten im Wahlkampf eine Rolle. Wegner erklärte nach der Wahl, auf den Straßen sei ständig über Bundesregierung und Kanzler gesprochen worden.

Das darf man ernst nehmen. Aber daraus folgt nicht, dass sich die Berliner CDU hinter Friedrich Merz verstecken kann. Denn unmittelbar vor der Wahl waren laut ARD Deutschland-Trend lediglich 20 Prozent der Berliner mit der Arbeit der schwarz roten Landesregierung zufrieden. 77 Prozent waren unzufrieden. Auch diese Zahlen stammen nicht aus dem Kanzleramt. Sie beschreiben die Stimmung gegenüber der Berliner Regierung.

Das CDU Desaster begann nicht am Wahlabend

Genau deshalb ist die nachträgliche Konzentration auf Friedrich Merz politisch so bequem. Wer den Bundeskanzler verantwortlich macht, muss weniger über die eigenen Fehler reden. Dann muss man nicht darüber sprechen, warum ein Regierender Bürgermeister während einer außergewöhnlichen Krise Tennis spielte.

Dann muss man nicht darüber sprechen, warum dieser Vorgang zunächst nicht transparent kommuniziert wurde. Dann muss man nicht erklären, warum anschließend über Monate immer neue Fragen zum tatsächlichen Tagesablauf des Regierungschefs auftauchten.

Und vor allem muss man nicht darüber reden, warum die CDU ihren eigenen Regierenden Bürgermeister wenige Wochen vor der Wahl als Spitzenkandidaten ersetzen musste. Die CDU Katastrophe fiel nicht plötzlich am 20. September vom Himmel. Es hatte eine Vorgeschichte.

Was für eine vertane Chance

Gerade deshalb ist die Geschichte so bitter. Kai Wegner hätte nach dem Stromausfall zeigen können, was Führung bedeutet. Er hätte der Bürgermeister sein können, der mitten in der Krise bei den Menschen steht. Der Verantwortung übernimmt. Der Sicherheit vermittelt. Der nicht beschönigt. Der transparent kommuniziert. Und der anschließend politische Konsequenzen aus der Verwundbarkeit einer Millionenstadt zieht.

Das wäre eine starke politische Geschichte gewesen. Doch daraus wurde eine andere Geschichte. Tennis. Widersprüchliche Kommunikation. Entschuldigung. Vertrauensverlust. Rückzug als Spitzenkandidat. Wahlniederlage. Und anschließend der Hinweis auf Friedrich Merz.

Die Berliner CDU sollte zuerst in den eigenen Spiegel schauen

Friedrich Merz trägt Verantwortung für die Bundes CDU und für die Politik seiner Bundesregierung. Darüber kann und muss diskutiert werden. Kai Wegner und die Berliner CDU tragen jedoch Verantwortung für Berlin. Das eine hebt das andere nicht auf. Gerade eine Partei, die gern Eigenverantwortung fordert, sollte diesen Grundsatz auch auf sich selbst anwenden.

Die entscheidende Frage nach dieser CDU Katastrophe lautet deshalb nicht, ob Friedrich Merz der Berliner CDU geschadet hat. Die interessantere Frage lautet, warum die Berliner CDU einen wesentlichen Teil der Erklärung in Berlin selbst offenbar nicht zuerst dort sucht, wo er dokumentiert ist. Im eigenen Krisenmanagement. In der eigenen Kommunikation. Beim eigenen Regierenden Bürgermeister.

Und in einer Tennisstunde, die vermutlich niemals eine derartige politische Sprengkraft entwickelt hätte, wenn von Anfang an offen und glaubwürdig mit ihr umgegangen worden wäre. Friedrich Merz hat Kai Wegner nicht auf den Tennisplatz geschickt. Friedrich Merz hat ihm nicht vorgeschrieben, wie er seinen Tagesablauf gegenüber den Berlinern darstellen soll.

Und Friedrich Merz hat die Berliner CDU nicht gezwungen, mit einer hausgemachten Glaubwürdigkeitskrise in ein Wahljahr zu gehen. Wer nach einem solchen Wahlergebnis ausschließlich oder überwiegend nach Berlin Mitte ins Kanzleramt zeigt, sollte deshalb vorher noch einmal ins Rote Rathaus schauen. Dort begann ein wesentlicher Teil dieser CDU Katastrophe.

„Verantwortung zeigt sich nicht darin, nach einer Niederlage den Schuldigen zu finden. Sie zeigt sich darin, den eigenen Anteil daran nicht zu verschweigen.“

Historisches CDU-Desaster! Daniel Peters und die erstaunliche Flucht vor der Selbstkritik

Brutale CDU-Vertrauenskrise. Die Wähler wollen den Politikwechsel und Merz liefert ihnen die SPD

Unfassbar starkes Merz Comeback – dieser Friedrich Merz hat Deutschland gefehlt

Erstaunlicher Friedrich Merz Faktencheck entlarvt die Erzählung vom erfolglosen Kanzler

0 0 Bewertungen
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet

Schonungsloser Lanz Check! Markus Lanz fordert klare Standpunkte und bleibt selbst unverbindlich

Der Lanz Check wirft eine grundlegende Frage über einen der bekanntesten politischen Moderatoren Deutschlands auf. Markus Lanz verlangt von seinen Gästen Klarheit, Verbindlichkeit und...

Fataler Lanz-Effekt! Treibt Markus Lanz die Kanzlerkrise immer weiter an?

Der Lanz-Effekt ist in diesen Tagen ein bemerkenswertes Phänomen der deutschen Medienlandschaft. Wer politische Talkshows verfolgt, könnte den Eindruck gewinnen, Deutschland stehe unmittelbar vor...

Umfragewerte für Friedrich Merz! Brisanter Umfrage Hammer wirft Fragen zur Meinungsmache auf

88 Prozent und schon steht das politische Urteil Umfragewerte für Friedrich Merz sorgen derzeit für politische Schlagzeilen, doch hinter den dramatischen Zahlen verbirgt sich eine...

Alarmierende Oppositionskultur im Bundestag. Wenn Deutschland sich selbst den Erfolg nicht mehr gönnt

Oppositionskultur gehört zur Demokratie und braucht trotzdem Grenzen Opposition muss unbequem sein. Sie muss Regierungen kontrollieren, Fehler aufdecken, Verschwendung öffentlich machen und schlechte Gesetze verhindern....

Explosives Berliner Finanzdesaster. Unter Elif Eralp droht die Hauptstadt unbezahlbar zu werden

Das Berliner Finanzdesaster wird zum Wahlprogramm Berlin steht vor einer politischen Richtungsentscheidung. Sollte die Linke bei der Wahl stärkste Kraft werden und Elif Eralp das...

Kanzlerwechsel? Was soll ein neuer Kanzler ändern wenn die alte Politik bleibt?

Ein Kanzlerwechsel löst Deutschlands Probleme nicht wenn sich die Politik nicht ändert Die Diskussion um Friedrich Merz bekommt nach den jüngsten politischen Rückschlägen der Union...

Unglaublicher Frauke Brosius Gersdorf Hype. Warum wird eine gescheiterte Richterkandidatin zum Maßstab unserer Demokratie?

Frauke Brosius Gersdorf wurde nicht Richterin des Bundesverfassungsgerichts. Das ist zunächst ein politischer Vorgang und keine Staatskrise. Wer für eines der mächtigsten Richterämter Deutschlands...

Unfassbar starkes Merz Comeback – dieser Friedrich Merz hat Deutschland gefehlt

Schlagfertig, angriffslustig und plötzlich wieder voller Energie. Friedrich Merz liefert sich mit Alice Weidel einen bemerkenswerten Schlagabtausch. Doch sein Auftritt wirft eine entscheidende Frage...

Brutaler Realitätstest für die AfD Regierungsbildung. Jetzt muss Ulrich Siegmund liefern

Der historische Wahlsieg reicht nicht mehr als Ausrede Die AfD Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt wird zum vielleicht wichtigsten politischen Test, den die Partei bislang bestehen musste....

PISA Schock entlarvt Schulpolitik: Migration und Inklusion bringen Deutschlands Schulen ans Limit

PISA Schock in Deutschland. Die neuen Ergebnisse sind ein Alarmsignal für ein Bildungssystem, das seit Jahren immer mehr gesellschaftliche Aufgaben übernehmen soll und gleichzeitig...

Brutale CDU-Vertrauenskrise. Die Wähler wollen den Politikwechsel und Merz liefert ihnen die SPD

CDU-Vertrauenskrise heißt das politische Desaster, das Friedrich Merz und seine Union inzwischen mit voller Wucht trifft. Doch statt die Ursachen zu bekämpfen, scheint die...

Populäre Kategorien