Friedrich Merz steht unter gewaltigem Druck. Seine Umfragewerte sind schlecht, seine Kommunikation liefert regelmäßig Angriffsflächen und einige seiner Entscheidungen stehen in deutlichem Widerspruch zu früheren Aussagen. Doch wer daraus eine gescheiterte Kanzlerschaft konstruiert, macht es sich zu einfach. Denn bei Wirtschaft, Investitionen, Energie, Migration, Bürokratie und Sicherheit hat die Bundesregierung bereits Entscheidungen von erheblicher Tragweite auf den Weg gebracht. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Friedrich Merz Fehler macht. Die Frage lautet, ob seine politische Bilanz besser ist als das Bild, das derzeit von ihm gezeichnet wird.
Friedrich Merz hat ein gewaltiges Problem und das heißt Friedrich Merz
Beginnen wir mit dem, was ein positiver Artikel über Friedrich Merz nicht verschweigen darf. Der Bundeskanzler ist angreifbar. Und daran sind keineswegs immer nur seine politischen Gegner oder kritische Medien schuld.
Friedrich Merz hat selbst Erwartungen geschaffen, die ihn heute verfolgen. Er trat an als wirtschaftsliberaler Reformer, als Gegner immer neuer Schulden, als Politiker einer konsequenteren Migrationspolitik und als Mann, der nach den Jahren unter Angela Merkel und Olaf Scholz wieder eine klar erkennbare politische Führung etablieren wollte.
An diesen Ansprüchen muss er sich messen lassen. Gerade seine Kehrtwende bei der Schuldenpolitik ist deshalb eine seiner größten politischen Hypotheken. Das Sondervermögen für Infrastruktur umfasst bis zu 500 Milliarden Euro. Gleichzeitig wurden die finanzpolitischen Spielräume für Verteidigung erheblich erweitert.
Das kann angesichts maroder Infrastruktur und einer dramatisch veränderten Sicherheitslage sachlich begründet werden. Aber es bleibt eine Abkehr von Positionen, mit denen Merz zuvor um Vertrauen geworben hatte. Wer das kritisiert, betreibt keine Kampagne. Diese Kritik ist legitim.
Der entscheidende Unterschied zwischen Kurskorrektur und Täuschung
Trotzdem lohnt sich eine zweite Frage. Darf ein Politiker seine Meinung ändern? Natürlich darf er das. Mehr noch, unter bestimmten Umständen muss er es. Politik findet nicht in einem Labor statt. Der russische Angriffskrieg, die Entwicklung der amerikanischen Außenpolitik, die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands, die Probleme der Automobilindustrie, hohe Energiekosten und ein gigantischer Investitionsstau verändern politische Rahmenbedingungen.
Eine Regierung, die auf veränderte Realitäten nicht reagiert, wäre nicht besonders konsequent. Sie wäre handlungsunfähig. Das entbindet Friedrich Merz allerdings nicht von einer entscheidenden Pflicht. Wer einen früheren Kurs verlässt, muss den Bürgern überzeugend erklären, warum er es tut. Genau hier liegt eine seiner größten Schwächen.
Friedrich Merz erklärt seine Politik häufig schlechter, als er sie macht
Merz ist kein geborener politischer Geschichtenerzähler. Er formuliert häufig technisch, manchmal schroff und gelegentlich unbedacht. Aussagen entwickeln dadurch ein Eigenleben, während komplexe politische Entscheidungen auf einen einzigen Satz reduziert werden.
Das ist für einen Bundeskanzler ein erhebliches Problem. Denn Politik besteht nicht nur aus Entscheidungen. Politik besteht auch darin, Mehrheiten für diese Entscheidungen zu gewinnen. Wie groß das Problem inzwischen geworden ist, zeigen aktuelle Umfragen. Eine Forsa Erhebung vom August 2026 dokumentierte eine außergewöhnlich hohe Unzufriedenheit mit der Arbeit des Kanzlers. Auch die Union befindet sich in einer schwierigen Lage.
Diese Zahlen kann man nicht einfach Medienkampagnen zuschreiben. Wenn große Teile der Bevölkerung mit einem Kanzler unzufrieden sind, muss ein Regierungschef sich fragen, warum seine Politik bei den Menschen nicht ankommt.
Die wirtschaftspolitische Bilanz sieht dagegen anders aus
Wer von der Kommunikation auf die tatsächliche Regierungspolitik blickt, erhält ein differenzierteres Bild. Die Bundesregierung hat ein steuerliches Investitionssofortprogramm auf den Weg gebracht. Unternehmen erhalten verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten. Der Körperschaftsteuersatz soll ab 2028 schrittweise von 15 auf 10 Prozent sinken. Auch die steuerliche Forschungsförderung wurde verbessert.
Das ist wirtschaftspolitisch bemerkenswert. Deutschland diskutierte jahrelang über seine schwindende Wettbewerbsfähigkeit. Unter Friedrich Merz wurden nun zumindest einige Stellschrauben tatsächlich bewegt. Ob daraus dauerhaft höhere Investitionen, mehr Produktivität und neue Arbeitsplätze entstehen, kann heute niemand seriös garantieren. Aber die Richtung ist erkennbar.
500 Milliarden Euro sind Chance und Risiko zugleich
Das große Infrastrukturprogramm gehört ebenfalls in eine faire Bilanz. Deutschland verfügt über ein Sondervermögen von bis zu 500 Milliarden Euro für zusätzliche Infrastrukturinvestitionen. Straßen, Brücken, Bahn, Digitalisierung und kommunale Infrastruktur sollen davon profitieren.
Wer täglich über marode Brücken fährt, auf verspätete Züge wartet oder mit einer deutschen Behörde digital kommunizieren möchte, weiß, dass der Investitionsbedarf real ist. Trotzdem ist genau dieses Programm auch eine der größten Angriffsflächen von Friedrich Merz.
Denn Geld allein modernisiert Deutschland nicht. 500 Milliarden Euro können eine historische Modernisierung auslösen. 500 Milliarden Euro können aber ebenso in ineffizienten Strukturen, steigenden Baukosten, Subventionen und Bürokratie versickern. Merz wird deshalb nicht daran gemessen werden können, wie viel Geld seine Regierung bereitstellt.
Er wird daran gemessen werden, was am Ende dafür gebaut und modernisiert wurde.
Bei den Energiekosten ist Bewegung erkennbar
Auch bei einem der größten deutschen Standortprobleme versucht die Bundesregierung gegenzusteuern. Für Unternehmen und Verbraucher wurden erhebliche Entlastungen bei den Energiekosten beschlossen. Dazu gehören Zuschüsse zu den Netzentgelten, Maßnahmen bei der Stromsteuer und die Abschaffung der Gasspeicherumlage. Die Bundesregierung bezifferte die Entlastungen ab 2026 auf rund zehn Milliarden Euro.
Auch hier wäre es überzogen zu behaupten, Friedrich Merz habe damit das deutsche Energieproblem gelöst. Hat er nicht. Deutschland bleibt ein Industrieland mit erheblichen Herausforderungen bei Energiepreisen, Versorgungssicherheit, Netzausbau und Erzeugungskapazitäten.
Aber erstmals seit langer Zeit steht nicht nur die ökologische Transformation, sondern wieder stärker die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes im Zentrum der Debatte.
Friedrich Merz und die Migrationspolitik
Bei der Migration hat die Bundesregierung ebenfalls einen deutlich restriktiveren Kurs eingeschlagen. Die Bundesregierung spricht selbst von einer eingeleiteten Migrationswende und verweist auf deutlich gesunkene Asylbewerberzahlen. Für Friedrich Merz ist dieses Thema allerdings besonders gefährlich.
Denn kaum ein anderes Politikfeld hat er vor seiner Kanzlerschaft so stark mit persönlichen Erwartungen verbunden. Entsprechend hoch liegt die Messlatte. Die Bürger werden ihn nicht an Pressekonferenzen messen. Sie werden beurteilen, ob irreguläre Migration tatsächlich dauerhaft zurückgeht, Rückführungen funktionieren, Kommunen entlastet werden und der Staat wieder stärker darüber entscheidet, wer dauerhaft in Deutschland bleiben kann.
Hier hat Merz einen Kurswechsel eingeleitet. Ob daraus eine nachhaltige Wende entsteht, muss sich erst noch beweisen.
Beim Bürokratieabbau zählt am Ende nur der Alltag
Die Bundesregierung meldet auch beim Bürokratierückbau Fortschritte. Nach eigenen Angaben wurden Entlastungen von rund zehn Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Im Juli folgte ein weiteres Entlastungskabinett. Das klingt beeindruckend. Doch gerade hier sollte Friedrich Merz vorsichtig mit Erfolgsmeldungen sein. Ein Handwerksmeister interessiert sich nicht dafür, wie viele Milliarden Euro Bürokratie rechnerisch abgeschafft wurden.
Er merkt Bürokratieabbau daran, wie viele Formulare er morgen nicht mehr ausfüllen muss. Ein Bauherr merkt ihn daran, wie schnell eine Genehmigung erteilt wird. Ein Unternehmer merkt ihn daran, wie viele Arbeitsstunden seine Mitarbeiter nicht mehr für staatliche Berichtspflichten aufwenden müssen. Merz hat den richtigen Anspruch formuliert. Jetzt muss der Staat beweisen, dass daraus tatsächlich weniger Bürokratie entsteht.
Auch seine Personalführung bietet Angriffsflächen
Ein weiterer Schwachpunkt lässt sich nicht wegdiskutieren.
Die Kabinettsumbildung im Sommer 2026 verlief politisch alles andere als souverän. Die Vorgänge rund um die Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder sorgten sogar innerhalb der CDU für deutliche Kritik. Reuters berichtete Ende Juli über erheblichen innerparteilichen Druck auf Merz.
Das ist für einen Kanzler problematisch, der gerade mit Führungsstärke angetreten ist. Wer Führung verspricht, muss Personalentscheidungen sauber vorbereiten, kommunizieren und durchsetzen. Chaos bei einer Kabinettsumbildung lässt sich deshalb nicht einfach den Medien anlasten. Es war ein politischer Fehler.
Aber aus Fehlern wird noch keine gescheiterte Kanzlerschaft
Genau an diesem Punkt wird die öffentliche Debatte interessant. Aus berechtigter Kritik wird häufig ein Gesamturteil. Merz korrigiert eine frühere Position und gilt als wortbrüchig. Merz formuliert ungeschickt und gilt als ungeeignet. Eine Personalentscheidung läuft schlecht und plötzlich steht seine gesamte Kanzlerschaft infrage. Gleichzeitig geraten konkrete politische Entscheidungen aus dem Blick.
Investitionsanreize für Unternehmen. Steuerentlastungen. 500 Milliarden Euro für Infrastruktur. Entlastungen bei den Energiekosten. Ein restriktiverer Kurs bei der Migration. Bürokratieabbau. Eine neue sicherheitspolitische Ausrichtung. Das alles ist ebenfalls Friedrich Merz.
Die Wirtschaft liefert erste Hoffnungssignale
Merz selbst verwies im Juli auf mehr als 3.000 Unternehmensgründungen zwischen Januar und Juni sowie auf positive Signale bei der Industrieproduktion. Die Bundesregierung wertete dies ausdrücklich als ermutigende Zeichen, nicht als abgeschlossene wirtschaftliche Trendwende.
Genau diese Vorsicht ist angebracht. Eine Volkswirtschaft wie Deutschland lässt sich nicht innerhalb eines Jahres reparieren. Viele Probleme sind strukturell und über Jahrzehnte entstanden. Deshalb wäre es ebenso falsch, jeden positiven Wirtschaftsindikator persönlich Friedrich Merz zuzuschreiben, wie jeden Arbeitsplatzverlust zu seinem Versagen zu erklären.
Volkswirtschaften funktionieren nicht nach diesem Prinzip.
Friedrich Merz hat auch ein Glaubwürdigkeitsproblem
Seine größte politische Gefahr könnte deshalb weniger die Opposition als die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität sein. Merz hat jahrelang den Eindruck vermittelt, viele Probleme Deutschlands ließen sich durch klarere Führung, wirtschaftspolitischen Sachverstand und konsequentere Entscheidungen relativ schnell lösen.
Nun erlebt er selbst, wie kompliziert Regierungspolitik in einer Koalition ist. Die SPD verfolgt andere Interessen als die Union. Bundesländer haben eigene Interessen. Die Europäische Union setzt Rahmenbedingungen. Gerichte kontrollieren Entscheidungen. Internationale Krisen verändern Prioritäten. Haushaltszwänge begrenzen politische Wünsche. Das alles wusste Merz selbstverständlich vorher.
Aber zwischen Oppositionspolitik und Kanzleramt liegt ein gewaltiger Unterschied. Und möglicherweise hat Friedrich Merz diesen Unterschied vor seiner Kanzlerschaft selbst unterschätzt.
Kritik ja, politische Vernichtung nein
Es gibt also genügend Gründe, Friedrich Merz kritisch zu begleiten. Seine Kehrtwende bei den Schulden ist erklärungsbedürftig. Seine Kommunikation ist verbesserungswürdig. Seine Personalführung hat Fehler offenbart. Die Union leidet unter schlechten Umfragewerten. Bei Wirtschaft, Migration und Bürokratie muss aus angekündigter Veränderung noch dauerhaft messbarer Erfolg werden.
All das gehört zur Wahrheit. Aber daraus folgt nicht, dass Friedrich Merz ein schlechter Bundeskanzler ist. Und schon gar nicht folgt daraus, dass sämtliche Probleme Deutschlands plötzlich seine Probleme wären. Viele der heutigen Schwierigkeiten sind das Ergebnis von Entscheidungen und Versäumnissen über mehrere Legislaturperioden hinweg.
Merz sollte an Ergebnissen gemessen werden und nicht an Schlagzeilen
Vielleicht liegt genau hier der Maßstab, der in der politischen Debatte verloren gegangen ist. Friedrich Merz verdient keine Schonung. Aber er verdient Fairness. Wenn seine Regierung 500 Milliarden Euro mobilisiert und die Infrastruktur trotzdem verfällt, muss er dafür politische Verantwortung übernehmen.
Wenn Unternehmen trotz Steuerentlastungen weiter massenhaft Investitionen ins Ausland verlagern, muss seine Wirtschaftspolitik hinterfragt werden. Wenn die Migration nicht dauerhaft zurückgeht, muss er sich an seinen eigenen Versprechen messen lassen.
Wenn der Bürokratieabbau nur auf dem Papier existiert, ist er gescheitert. Aber auch das Gegenteil muss gelten.
Wenn Investitionen steigen, Unternehmen wieder Vertrauen in Deutschland gewinnen, Infrastruktur modernisiert wird, Energie bezahlbarer wird, irreguläre Migration sinkt und staatliche Verfahren schneller werden, dann muss dies ebenfalls seiner Regierung zugerechnet werden. Politische Fairness funktioniert nicht nur in eine Richtung.
Die eigentliche Bilanz von Friedrich Merz wird erst noch geschrieben
Nach gut einem Jahr Kanzlerschaft wäre deshalb sowohl eine Heiligsprechung als auch eine politische Beerdigung absurd. Friedrich Merz hat erhebliche Fehler gemacht. Aber seine Regierung hat gleichzeitig Reformen und Investitionen von einer Größenordnung angestoßen, deren tatsächliche Auswirkungen erst in den kommenden Jahren sichtbar werden können.
Vielleicht besteht der größte Fehler der derzeitigen Debatte darin, jede Woche ein endgültiges Urteil über einen Kanzler fällen zu wollen, dessen wichtigste Entscheidungen ihre Wirkung noch gar nicht vollständig entfaltet haben. Merz ist angreifbar. Er muss besser kommunizieren. Er muss Vertrauen zurückgewinnen.
Er muss beweisen, dass aus Milliardeninvestitionen reale Modernisierung entsteht. Und er muss zeigen, dass seine Kurswechsel tatsächlich Anpassungen an eine veränderte Realität waren und nicht nur politischer Opportunismus. Doch wenn man ihn daran messen will, dann bitte an beidem. An seinen Fehlern. Und an seinen Ergebnissen.
Denn am Ende sollte für Friedrich Merz derselbe Maßstab gelten wie für jeden Bundeskanzler. Nicht die lauteste Schlagzeile entscheidet über eine Kanzlerschaft. Die Bilanz entscheidet.
„Politische Führung zeigt sich nicht darin, niemals den Kurs zu ändern, sondern darin, erklären zu können, warum ein neuer Kurs notwendig ist und anschließend zu beweisen, dass er der richtige war.“
Explosive Kanzler Intrige? Wie Hauptstadtjournalisten Friedrich Merz systematisch beschädigen wollen
Friedrich Merz unter Druck – führt die SPD den Kanzler am Nasenring durch die Manege?

Jürgen Trittin. Grüne Märchenstunde entlarvt. Die unbequeme Wahrheit hinter seiner Energiewende

Friedrich Merz im Dauerfeuer! Die überraschend starke Bilanz hinter seinen Fehlern

Gebührenverschwendung bei ARD und ZDF. So dreist wird das Geld der Beitragszahler verbrannt

Klingbeils dreister Steuerhammer! Jetzt soll der Rabattfreibetrag fallen






