Gewerkschaftsversagen. Wie Deutschlands Industrie zu Tode geschützt wird

Mehr Lohn, mehr Freizeit, kürzere Arbeitszeiten und maximale Beschäftigungsgarantien treffen auf eine Industrie, die international immer stärker unter Druck gerät. Volkswagen zeigt, wohin eine Tarifpolitik führen kann, die Wettbewerbsfähigkeit zur Nebensache macht.

Das Gewerkschaftsversagen in Deutschland offenbart einen gefährlichen Widerspruch. Während Arbeitnehmervertreter immer neue soziale Errungenschaften durchsetzen wollen, geraten genau jene Industriearbeitsplätze in Gefahr, die sie eigentlich schützen sollen.

Gewerkschaftsversagen beginnt bei einer einfachen Rechnung

Die wirtschaftliche Realität lässt sich nicht wegverhandeln. Unternehmen können dauerhaft nur das verteilen, was sie zuvor erwirtschaften. Steigen Löhne und Personalnebenkosten schneller als Produktivität und Wertschöpfung, verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit.

Wird gleichzeitig die Arbeitszeit reduziert und die Möglichkeit der Unternehmen eingeschränkt, ihre Belegschaften an eine veränderte Nachfrage anzupassen, entsteht eine gefährliche Kombination. Genau diese Entwicklung macht das Gewerkschaftsversagen für den Industriestandort Deutschland so brisant.

Volkswagen wird zum Symbol einer deutschen Fehlentwicklung

Volkswagen steht inzwischen exemplarisch für dieses Problem. Der Konzern plant einen massiven Stellenabbau. Besonders stark betroffen ist Deutschland. Gleichzeitig befürchtet der Betriebsrat einen noch erheblich größeren Arbeitsplatzverlust. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, welche zusätzliche tarifliche Errungenschaft noch herausgeholt werden kann.

Sie lautet vielmehr, wie viele Arbeitsplätze sich Volkswagen in Deutschland langfristig überhaupt noch leisten kann. Das Gewerkschaftsversagen besteht darin, diese fundamentale Frage über Jahrzehnte zu wenig in den Mittelpunkt gestellt zu haben.

Mehr Geld und weniger Arbeit funktioniert nicht unbegrenzt

Natürlich wünschen sich Arbeitnehmer höhere Einkommen. Natürlich sind kürzere Arbeitszeiten attraktiv. Und selbstverständlich ist Arbeitsplatzsicherheit ein legitimes Ziel. Doch aus legitimen Einzelinteressen entsteht noch keine tragfähige volkswirtschaftliche Strategie. Mehr Lohn kostet Geld. Mehr Urlaub reduziert verfügbare Arbeitszeit.

Arbeitszeitverkürzung bei Lohnausgleich verteuert die tatsächlich geleistete Arbeitsstunde. Beschäftigungsgarantien reduzieren die unternehmerische Flexibilität. Jede einzelne Forderung kann begründbar sein. In ihrer Summe können solche Regelungen jedoch dazu führen, dass ein Produktionsstandort international immer unattraktiver wird.

Hier zeigt sich das eigentliche Gewerkschaftsversagen. Tarifpolitischer Erfolg wird daran gemessen, was zusätzlich herausgeholt wurde. Viel zu selten wird gefragt, ob das Unternehmen diese Errungenschaften zehn Jahre später im internationalen Wettbewerb noch finanzieren kann.

Die Konkurrenz unterschreibt keinen deutschen Tarifvertrag

Deutschland produziert nicht in einem geschützten Wirtschaftsraum. Deutsche Automobilhersteller konkurrieren mit Unternehmen aus China, den USA, Südkorea, Japan und zahlreichen europäischen Staaten. Investitionsentscheidungen werden international getroffen. Genau deshalb ist es gefährlich, Tarifpolitik ausschließlich aus deutscher Perspektive zu betrachten.

Die IG Metall kann Volkswagen Forderungen präsentieren. Sie kann Beschäftigungsgarantien aushandeln. Sie kann kürzere Arbeitszeiten durchsetzen. Sie kann allerdings weder chinesische noch amerikanische oder osteuropäische Wettbewerber dazu verpflichten, dieselben Kostenstrukturen zu übernehmen.

Das Gewerkschaftsversagen beginnt dort, wo diese internationale Realität ausgeblendet wird.

Arbeitsplatzschutz kann Arbeitsplätze vernichten

Hier liegt das große Paradoxon. Je stärker ein bestehender Arbeitsplatz geschützt wird, desto attraktiver kann es für ein Unternehmen werden, den nächsten Arbeitsplatz gar nicht erst an diesem Standort entstehen zu lassen. Ein Konzern muss ein bestehendes deutsches Werk nicht zwangsläufig schließen, um Deutschland den Rücken zu kehren.

Es genügt, wenn die nächste Milliardeninvestition woanders erfolgt. Die nächste Batteriefabrik entsteht im Ausland. Das nächste Modell wird in einem anderen Werk produziert. Die nächste Produktionslinie wird nicht mehr in Deutschland aufgebaut. Die nächste Erweiterung findet in Osteuropa, Spanien, den USA oder Asien statt.

Dieser Prozess vollzieht sich langsam und nahezu geräuschlos. Seine Auswirkungen werden erst Jahre später sichtbar. Genau deshalb ist das Gewerkschaftsversagen so gefährlich.

Auch das Management trägt Verantwortung

Dabei wäre es wirtschaftlich unseriös, Gewerkschaften zum alleinigen Verantwortlichen für die Probleme von Volkswagen oder der deutschen Industrie zu erklären. Managementfehler, hohe Energiepreise, Bürokratie, Steuerbelastung, europäische Regulierung, der technologische Wandel und die immer stärkere chinesische Konkurrenz spielen ebenfalls eine erhebliche Rolle.

Volkswagen hat zudem eigene strategische Fehler gemacht. Doch diese Faktoren widerlegen das Problem hoher Arbeitskosten nicht. Ein Unternehmen kann Managementfehler begehen und gleichzeitig unter einem zu teuren Produktionsstandort leiden. Beides kann gleichzeitig wahr sein.

Gerade deshalb darf das Gewerkschaftsversagen nicht mit dem Hinweis auf Fehler der Unternehmensführung aus der Diskussion genommen werden.

Gewerkschaften müssen Produktivität wiederentdecken

Eine moderne Gewerkschaft müsste deshalb völlig anders denken. Nicht nur über Lohnerhöhungen. Sondern über Produktivität. Nicht nur über Arbeitszeitverkürzung. Sondern darüber, wie eine Arbeitsstunde in Deutschland mehr Wertschöpfung erzeugen kann. Nicht nur über Beschäftigungsgarantien.

Sondern darüber, warum ein internationaler Konzern seine nächste Fabrik ausgerechnet in Deutschland bauen sollte. Das wäre eine Gewerkschaftspolitik, die Arbeitnehmerinteressen langfristig schützt. Denn der wichtigste Schutz eines Arbeitsplatzes steht in keinem Tarifvertrag. Er heißt Wettbewerbsfähigkeit.

Deutschland kann wirtschaftliche Gesetze nicht wegverhandeln

Deutschland muss sich entscheiden, was es will. Eine leistungsfähige Industrienation kann hohe Löhne bezahlen. Sie kann hervorragende Sozialleistungen finanzieren. Sie kann gute Arbeitsbedingungen bieten. Aber dafür muss sie entsprechend produktiv sein. Was auf Dauer nicht funktionieren kann, ist eine Kombination aus international überdurchschnittlichen Kosten, immer geringerer Arbeitszeit, maximaler Arbeitsplatzabsicherung, hoher Steuerbelastung, teurer Energie und wachsender Regulierung.

Irgendjemand muss diese Rechnung bezahlen. Und wenn Unternehmen feststellen, dass sich Produktion an anderen Standorten besser rechnet, stimmen sie nicht auf einer Betriebsversammlung darüber ab. Sie investieren einfach woanders.

Am Ende verliert ausgerechnet der Arbeitnehmer

Damit erreicht das Gewerkschaftsversagen seinen bittersten Punkt. Die Arbeitnehmer, deren Interessen besonders geschützt werden sollen, könnten am Ende diejenigen sein, die den höchsten Preis bezahlen. Eine Lohnerhöhung ist wertlos, wenn der Arbeitsplatz verschwindet.

Eine 35 Stunden Woche hilft wenig, wenn das nächste Fahrzeugmodell in einem anderen Land produziert wird. Eine Beschäftigungsgarantie schafft keine neue Fabrik. Und ein Tarifvertrag kann keinen Vorstand zwingen, die nächste Milliardeninvestition in Deutschland vorzunehmen. Deshalb muss sich auch die deutsche Gewerkschaftsbewegung einer unbequemen Erkenntnis stellen.

Wohlstand wird nicht verteilt, bevor er erwirtschaftet wurde. Wer dauerhaft mehr verteilen möchte, muss dafür sorgen, dass zuvor auch mehr erwirtschaftet wird. Alles andere führt irgendwann an einen Punkt, an dem Unternehmen die Konsequenzen ziehen. Volkswagen könnte gerade demonstrieren, wie dieser Punkt aussieht.

„Arbeitsplätze lassen sich tariflich schützen. Erhalten werden sie dauerhaft nur durch Wettbewerbsfähigkeit.“

Friedrich Merz im Dauerfeuer! Die überraschend starke Bilanz hinter seinen Fehlern

Enteignung gegen Wohnungsnot. Der Irrweg der Linken ist explosiv und kraftlos

Explosive Yasmin Fahimi Renten-Forderung! DGB-Chefin zündelt mit Deutschlands Wirtschaft

Heiß diskutiert

1. Fußball-Bundesliga. Spieltag und Ergebnisse

Die 1. Fußball-Bundesliga, das Herzstück des deutschen Fußballs, hat...

2. Fußball-Bundesliga. Spieltag und Tabelle

Während die 1. Fußballbundesliga zweifellos im Rampenlicht des deutschen...

White&Black von Schwabenhaus. Jetzt werden Wohnträume bezahlbar!

Qualität, Stil und Nachhaltigkeit mit White&Black Die Hausbauwelt in Deutschland...

Wagenknecht Skandal. BSW in der Krise. Macht ohne Mandat gefährdet Brandenburg

Der Wagenknecht Skandal. BSW-Machtpolitik ohne Mandat, oder wie eine...

Radikale Autonomie These bei Brosius Gersdorf Leihmutterschaft. Warum ihre Aussage einen gewaltigen Rechtswiderspruch offenlegt

Eine Staatsrechtlerin formuliert einen bemerkenswert absoluten Anspruch auf Autonomie Die...

PETA Skandal nach Fußball Krawallen. Wenn plötzlich die Polizei zum Problem erklärt wird

Es gehört inzwischen offenbar zu den Merkwürdigkeiten gesellschaftlicher Debatten...

Skandal um Kölner Willkommensbehörde. Wenn der Staat die Ausreisepflicht selbst aushebelt

Eine Behörde soll deutsches Recht vollziehen. Doch in Köln...

12.000 Hitzetote im Faktencheck. Die Wahrheit hinter der Schockzahl

12.000 Hitzetote sind eine erschreckende Zahl 12.000 Hitzetote. Inzwischen sind...

Jürgen Trittin. Grüne Märchenstunde entlarvt. Die unbequeme Wahrheit hinter seiner Energiewende

Jürgen Trittin. Erstaunliche Geschichtsklitterung! Die Grünen hatten recht und...

Friedrich Merz im Dauerfeuer! Die überraschend starke Bilanz hinter seinen Fehlern

Friedrich Merz steht unter gewaltigem Druck. Seine Umfragewerte sind...

Verwandte Artikel

Populäre Kategorien