Auf die Frage, ob Jan van Aken im Ernstfall bereit wäre, zur Verteidigung seines Landes zur Waffe zu greifen, antwortete der Politiker überraschend offen. Er könne sich das nicht vorstellen. Noch bemerkenswerter war seine anschließende Bemerkung. Flucht sei für ihn und seine Familie im Ernstfall eine Option.
Seine Begründung formulierte van Aken bemerkenswert lapidar. Flucht sei schließlich ein guter Reflex. Diese Aussage sorgt seitdem für eine immer heftigere Diskussion.
Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und im Verteidigungsausschuss
Besonders brisant wird die Aussage durch die politische Funktion, die der Linken Politiker aktuell ausübt. Jan van Aken ist im 21. Deutschen Bundestag Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und zugleich stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss.
Damit gehört er zu genau jenem parlamentarischen Kreis, der sich mit Fragen der internationalen Sicherheit, militärischen Strategien und der Verteidigungsfähigkeit Deutschlands beschäftigt. Gerade deshalb wirkt seine Aussage wie ein politischer Paukenschlag.
Denn wenn ein Parlamentarier, der über Verteidigungsfragen mitentscheidet, öffentlich erklärt, dass er im Ernstfall lieber fliehen würde, stellt sich eine unangenehme Frage. Wie glaubwürdig ist sicherheitspolitische Verantwortung, wenn derjenige, der darüber diskutiert, persönlich gar nicht bereit ist, diese Verantwortung zu tragen?
Der Skandal eines politischen Weltbildes
Deutschland diskutiert derzeit intensiv über Verteidigungsfähigkeit, Wehrpflicht und gesellschaftliche Resilienz. Spätestens seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist klar geworden, dass Frieden nicht selbstverständlich ist. In dieser Situation wirkt die Aussage Jan van Aken wie ein politischer Offenbarungseid.
Denn sie offenbart ein Weltbild, das für viele Bürger schwer nachvollziehbar ist. Während Soldaten im Ernstfall ihr Leben riskieren sollen, während junge Menschen möglicherweise wieder Wehrdienst leisten müssen, erklärt ein Politiker öffentlich, dass er im Zweifel einfach gehen würde. Das ist mehr als Pazifismus.
Es ist eine Haltung, die Kritiker inzwischen als moralisch problematisch bezeichnen.
Leben auf Kosten der Gesellschaft und im Ernstfall davonlaufen
Die Debatte wird noch schärfer, wenn man sie politisch zuspitzt.
Politiker leben vom Vertrauen der Gesellschaft. Sie werden durch Steuergelder bezahlt, genießen Privilegien eines politischen Amtes und tragen Verantwortung für das Gemeinwesen. Doch was bedeutet es für dieses Vertrauen, wenn ein Politiker öffentlich erklärt, dass er im Ernstfall genau dieser Gesellschaft den Rücken kehren würde? Die Kritik lässt sich auf eine zugespitzte Formel bringen.
In guten Zeiten von der Gesellschaft leben. In schlechten Zeiten vor ihr davonlaufen. Diese Wahrnehmung ist es, die den politischen Schaden der Aussage möglicherweise erst richtig sichtbar macht.
Eine unbequeme Frage über Loyalität
Die eigentliche Brisanz liegt deshalb in einer Frage, die sich aus dieser Aussage zwangsläufig ergibt. Wenn ein Politiker öffentlich erklärt, dass er im Ernstfall fliehen würde, während andere Bürger ihr Land verteidigen sollen, stellt sich eine fundamentale Frage politischer Loyalität.
Ist diese Haltung lediglich persönlicher Pazifismus? Oder muss sich ein Politiker, der über Sicherheitspolitik mitentscheidet, auch die Frage gefallen lassen, ob eine solche Haltung zumindest den Eindruck erweckt, dass die Bindung an das eigene Land relativiert wird?
Manche Kritiker formulieren diese Frage noch schärfer und sprechen offen darüber, ob eine solche Haltung nicht zumindest politisch die Debatte darüber auslösen müsse, ob sie als eine Form von moralischer Fahnenflucht verstanden werden kann. Allein dass diese Diskussion inzwischen öffentlich geführt wird, zeigt, wie groß die politische Sprengkraft dieser Aussage ist.
Der Lanz Moment als politischer Offenbarungseid
Die Sendung von Markus Lanz hat schon oft politische Momente hervorgebracht, die weit über den Fernsehabend hinaus wirken. Der Auftritt von van Aken könnte einer dieser Momente sein. Denn selten hört man von Politikern so offen, wie sie persönlich handeln würden.
Viele Zuschauer dürften sich nach dieser Sendung eine einfache Frage gestellt haben. Wer bleibt, wenn es ernst wird? Und wer geht?
Ein Satz mit politischer Langzeitwirkung
Es ist gut möglich, dass dieser eine Satz von Jan van Aken noch lange nachwirken wird. Nicht weil er besonders laut war. Sondern weil er eine Haltung sichtbar gemacht hat, die für viele Bürger schwer mit dem politischen Amt eines Bundestagsabgeordneten vereinbar erscheint.
Gerade wenn dieser Abgeordnete ausgerechnet im Auswärtigen Ausschuss und als stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss tätig ist. Denn am Ende bleibt eine zentrale Frage. Kann jemand glaubwürdig über Verteidigungspolitik mitentscheiden, wenn er selbst bereits erklärt hat, im Ernstfall lieber zu fliehen? Eine Frage, die in der politischen Debatte über Verantwortung und Loyalität noch lange gestellt werden dürfte.
Zitat zum Schluss
„Wer in guten Zeiten vom Staat lebt, muss sich fragen lassen, ob er in schlechten Zeiten bereit ist, für ihn einzustehen.“
